In Aichi-Nagoya blicken Espinós und Hashimoto auf das nächste Kapitel des Karate in Japan

Während in Aichi-Nagoya das Karate-Turnier der Asienspiele 2026 lief, wurde abseits der Tatami über einen Teil der Zukunft des Sports gesprochen. Antonio Espinós, Präsident der World Karate Federation (WKF), traf Seiko Hashimoto, die Präsidentin des Japanischen Olympischen Komitees (Japanese Olympic Committee, JOC). Die WKF berichtete am 27. September 2026 über das Treffen. Mit am Tisch saßen WKF-Generalsekretär Toshihisa Nagura und Yoshihiro Sasakawa, Präsident des japanischen Karateverbands (Japan Karate Federation, JKF). Damit waren der Weltverband, die olympische Führung Japans und der nationale Fachverband zugleich vertreten.

Vier Funktionäre, ein Gespräch

Das offizielle Foto der WKF zeigt die vier nebeneinander: links Sasakawa, dann Nagura, Hashimoto und Espinós. Es ist ein schlichtes Bild, doch es zeichnet eine Linie der Verantwortung nach, die vom Dojo bis in die olympische Bewegung reicht. Nagura, der japanische Funktionär im Zentrum der WKF-Verwaltung, verbindet den Weltverband mit dem Ursprungsland des Sports. Sasakawa führt den Verband, der in Japan für Karate zuständig ist. Hashimoto steht an der Spitze des Komitees, das den japanischen Sport in der olympischen Familie vertritt.

Nach Angaben der WKF standen die Werte des Karate und sein einzigartiger Platz in Japan, dem Geburtsland des Sports, im Mittelpunkt der Gespräche. Diese Formulierung hat besonderes Gewicht in einem Jahr, in dem Japan die Asienspiele ausrichtet. Für einen Sport, dessen Kata bis heute die Namen und Traditionslinien japanischer und okinawanischer Meister tragen, bleibt das Ursprungsland ein Bezugspunkt, den keine andere Nation ersetzen kann.

Japan als Wiege und Gastgeber

Das Treffen bot laut WKF zudem Gelegenheit, auf große Karate-Veranstaltungen in Japan vorauszublicken, darunter den Karate World Cup 2028, und über die olympischen Perspektiven des Sports zu sprechen.

Der Karate World Cup ist die Mannschafts-Weltmeisterschaft der WKF. In der aktuellen Struktur des Verbands sind die Senioren-Weltmeisterschaften in zwei große Veranstaltungen aufgeteilt, die im Wechsel stattfinden: die Mannschaftswettbewerbe unter dem Namen Karate World Cup und die Einzelwettbewerbe, die World Championships. Die WKF bezeichnet den World Cup als wichtigste globale Veranstaltung für Nationalmannschaften. Die Ausgabe 2024 fand in Pamplona statt, die nächste ist vom 20. bis 22. November 2026 im chinesischen Hangzhou angesetzt. Über die Verbindung Japans mit der Ausgabe 2028 hinaus hat die WKF weder Gastgeberstadt noch Termine oder Austragungsort veröffentlicht, und im WM-Kalender des Verbands ist sie noch nicht aufgeführt.

Espinós ordnete diese Aussicht in ein umfassenderes Bild der Rolle Japans ein. Er dankte Hashimoto für das Treffen und für eine aus seiner Sicht außergewöhnliche Ausgabe der Asienspiele und betonte, Karate sei und bleibe ein japanischer Sport. Seine von der WKF auf Englisch veröffentlichten Worte waren unmissverständlich:

"I would like to thank Mrs Hashimoto for taking the time to meet the Karate delegation here in Aichi-Nagoya and for hosting an exceptional edition of the Asian Games. Karate has always been and will always be a Japanese sport, and we are pleased to note that we have the support of the Japanese officials. Japan's role in the development of Karate remains central, both as the sport's birthplace and as a key host of major international competitions. The upcoming Karate World Cup 2028 will provide another important opportunity to showcase the sport at the highest level in its country of origin. I am sure that, under the new leadership of President Sasakawa, we will go back to hosting international Karate events in Japan with the support of Mrs Hashimoto."

Zwei Gedanken treten hervor. Der erste betrifft die Identität: Karate erscheint nicht bloß als Sport, der in Japan entstanden ist, sondern als einer, der japanisch „bleiben wird“, obwohl er auf allen Kontinenten ausgeübt wird. Der zweite ist der Gedanke der Rückkehr. Wenn Espinós davon spricht, internationale Karate-Veranstaltungen wieder nach Japan zu holen, macht er deutlich, dass er den Platz des Landes im internationalen Kalender als etwas betrachtet, das zurückgewonnen werden soll. Diesen Anspruch verknüpft er ausdrücklich mit der neuen JKF-Führung unter Sasakawa und mit der Unterstützung des JOC.

Ein Dialog, der wächst

Die Begegnung in Aichi-Nagoya war nicht das erste Treffen dieser Partner in diesem Jahr. Im Juli 2026 hatte die WKF berichtet, dass eine Karate-Delegation unter Leitung Naguras, gemeinsam mit Yoshihiro Sasakawa und Hiroyoshi Sasakawa von der parlamentarischen Karate-Unterstützungsliga, Hashimoto in Tokio getroffen hatte. Themen waren damals die Strategie Fit for the Future des Internationalen Olympischen Komitees, der Weg zu den Olympischen Spielen Brisbane 2032 und die Bemühungen des Karate um eine Rückkehr ins olympische Programm. Nagura lobte bei dieser Gelegenheit die „breite und zukunftsorientierte Vision“ des neuen JKF-Präsidenten und äußerte die Hoffnung auf mehr offizielle WKF-Wettkämpfe in Japan.

So betrachtet erscheint Aichi-Nagoya als Fortsetzung, mit einer Gesprächspartnerin, die die olympische Welt aus jeder Perspektive kennt. Hashimoto, siebenfache Olympiateilnehmerin, wurde im Juni 2025 als erste Frau an die Spitze des JOC gewählt; zuvor hatte sie das Organisationskomitee der Spiele von Tokio 2020 geleitet, bei denen Karate sein olympisches Debüt feierte.

Nichts, was in Aichi-Nagoya gesagt wurde, kommt einer olympischen Entscheidung gleich, und die WKF hat auch nichts dergleichen nahegelegt. Beschrieben hat sie eine gemeinsame Absicht, auf höchster Ebene des japanischen Sports formuliert, Karate nahe am Zentrum des sportlichen Lebens im Land zu halten.

Über die Asienspiele hinaus

Espinós schloss mit einer zweiten, eher diplomatischen Bemerkung, in der er den gestärkten Dialog zwischen der WKF und der olympischen wie der Karate-Führung Japans hervorhob:

"I am pleased to note that this meeting in Aichi-Nagoya further strengthened the dialogue between the WKF and Japan's Olympic and Karate leadership as the sport continues to pursue new opportunities on the international stage."

Für die Athletinnen und Athleten auf der Tatami in Aichi-Nagoya ging es zunächst um Medaillen. Für die Funktionäre im Raum ging es um Kontinuität: eine neue JKF-Führung, von der Espinós erwartet, dass sie Japan wieder für internationale Veranstaltungen öffnet, eine Präsidentin des Olympischen Komitees, die die WKF im Juli in Tokio und nun erneut in Aichi-Nagoya getroffen hat, und ein Weltverband, der sich darauf freut, seine wichtigste Mannschaftsveranstaltung im Geburtsland des Sports auszutragen. Die Einzelheiten des Karate World Cup 2028 stehen noch aus. Die Richtung aber ist vorerst klar.

Quellen

  • WKF, "WKF President Antonio Espinós Meets Japan Olympic Committee President Seiko Hashimoto in Aichi-Nagoya" (27. September 2026): https://www.wkf.net/news-center/article/!/3311/wkf-president-antonio-espinos-meets-japan-olympic-committee-president-seiko-hashimoto-in-aichi-nagoya
  • WKF, "Karate Officials Meet Japanese Olympic Committee President to Discuss the Sport's Olympic Future" (7. Juli 2026): https://www.wkf.net/news-center/article/!/3236/karate-officials-meet-japanese-olympic-committee-president-to-discuss-the-sports-olympic-future
  • WKF, World Championships: https://www.wkf.net/world-championships
  • WKF, 2026 Karate World Cup: https://www.wkf.net/world-championships/championship/!/445/2026-karate-world-cup
  • Japanisches Olympisches Komitee, Profil der Präsidentin: https://joc.or.jp/about/organisation/president/
  • Olympic Council of Asia, "Hashimoto becomes first woman to lead Japanese Olympic Committee": https://oca.asia/news/6401-hashimoto-becomes-first-woman-to-lead-japanese-olympic-committee.html

Foto: wkf.net

Ad