Beyond the Tatami: In Bielsko-Biała rücken die anderen Karrieren im Karate in den Blick

Am Donnerstag, dem 15. Oktober, dem zweiten Tag der Kadetten-, Junioren- und U21-Weltmeisterschaften 2026, werden die Junioren den Vormittag mit Kata verbringen, bevor eine Kumite-Session bis in den Abend folgt. Um 11 Uhr eröffnet die Frauensportkommission der WKF an diesem Tag im Hotel Szyndzielnia in Bielsko-Biała eine zweistündige Konferenz, deren Titel ihr Thema klar benennt: „Beyond the Tatami: Women Shaping the Future of Karate“. Die WKF beschreibt sie als Zusammenkunft von Frauen aus verschiedenen Bereichen der Karate-Gemeinschaft, die Erfahrungen austauschen, berufliche Wege diskutieren und untersuchen sollen, wie Frauen zur Entwicklung des Sports „auf der Tatami und darüber hinaus“ beitragen können.

Eine Konferenz mitten in der Meisterschaft

Der Rahmen verleiht der Frage Gewicht. Die Konferenz ist Teil des offiziellen Programms der Meisterschaften, die vom 14. bis 18. Oktober stattfinden und nach den Worten der WKF Athletinnen und Athleten, Trainer, Offizielle und Mitglieder der internationalen Karate-Gemeinschaft zusammenbringen. Die vorläufigen Meldelisten verzeichneten bei ihrer Abfrage am 2. Oktober, wie unsere Vorschau auf die Meisterschaften berichtete, 899 Frauenmeldungen von insgesamt 1.997, von den 14- und 15-jährigen Kadettinnen bis zu den U21-Athletinnen. Die Konferenz widmet sich den Aufgaben, die den Wettkampf umgeben und ihn überdauern: dem Platz der Kampfrichterin auf der Tatami, dem Sitzungssaal einer Kommission, dem Büro eines Verbandes, der Erfahrung, die eine ehemalige Wettkämpferin in den nächsten Abschnitt ihres Lebens im Karate mitnimmt.

Vier Wege, ein Podium

Nach Angaben der WKF werden die vier Referentinnen Perspektiven aus verschiedenen Bereichen des Karate einbringen und Einblicke in ihre beruflichen Werdegänge sowie in die Möglichkeiten geben, die Frauen im Sport offenstehen. Die Vorsitzende der Kommission, die Schwedin Sarah Wennerström, Mitglied des WKF-Exekutivkomitees, ist mehrere dieser Wege selbst gegangen. Laut ihrem WKF-Profil begann sie im Jahr 2000 mit Karate im Stil Shito-ryu, startete von 2002 bis 2008 auf nationaler Ebene und ist seit 2009 lizenzierte nationale Kampfrichterin; seit 2013 ist sie Generalsekretärin des Schwedischen Karateverbandes, 2021 wurde sie in das Exekutivkomitee der Europäischen Karate-Föderation berufen, 2022 in das der WKF.

Die Chinesin Ma Junting bringt die Sicht der Kampfrichterin ein. Sie gehört der WKF-Kampfrichterkommission an, wo sie für die Gruppe der Kampfrichterinnen zuständig ist, und ist zugleich Mitglied der Frauensportkommission. Die Shanghaier Tageszeitung Laodong Bao berichtete, dass sie 2006 vom Wettkampf ins Kampfrichterwesen wechselte, 2019 die höchste Kampfrichterstufe der WKF erreichte und bei den Olympischen Spielen Tokio 2020 eine von vier Frauen unter den sechzehn Karate-Kampfrichtern war; sie amtierte im Kata-Finale der Frauen, das die erste olympische Goldmedaille in der Geschichte des Sports hervorbrachte, und verkündete dessen Ergebnis. In einem Interview mit derselben Zeitung erzählte sie 2024, dass sie ihre Stufe verlor, nachdem sie wegen einer Schwangerschaft zwei Jahre lang keine internationalen Wettkämpfe leiten konnte, und dass sie sich für eine Schutzfrist für Kampfrichterinnen in dieser Lage eingesetzt habe, ebenso dafür, dass mehr Frauen Schwergewichtskämpfe der Männer leiten.

Die Tschechin Veronika Mišková, die die WKF als zweifache Medaillengewinnerin bei Kontinentalmeisterschaften vorstellt, spricht aus Sicht der Wettkämpferin: Tschechische Medien berichteten über ihre Bronzemedaillen in der Einzel-Kata bei den Europameisterschaften 2015 in Istanbul und 2021 in Poreč. Die Italienerin Alessia Coppola vervollständigt das Podium.

Moderiert wird das Gespräch von Antonella Nanni, Legacy-Programmdirektorin der WKF und Mitglied der Kommission, die den Verband Ende September bei der Konferenz des Global Observatory for Gender Equality & Sport in Lausanne vertrat.

Vor den Augen der nächsten Generation

Die WKF ordnet die Konferenz in ihre fortlaufende Arbeit ein, Frauen in der gesamten Karate-Gemeinschaft Chancen zu eröffnen und eine stärkere Beteiligung in den verschiedenen Bereichen des Sports zu fördern. Wer teilnehmen möchte, kann sich über ein Formular anmelden, das in der Ankündigung der WKF verlinkt ist.

Die Meisterschaften selbst werden weit über Polen hinaus zu sehen sein, denn die WKF überträgt sie erstmals live und vollständig auf ihrem YouTube-Kanal, von den Vorrunden bis zu den Medaillenkämpfen, wie wir Anfang des Monats berichteten. Die Konferenz gilt einem leiseren Teil derselben Woche. Unter den Mädchen, die sich in Bielsko-Biała verbeugen, bevor sie die Tatami betreten, werden manche vielleicht eines Tages die Pfeife der Kampfrichterin halten, in einer Kommission sitzen oder einen nationalen Verband führen, und das Podium im Hotel Szyndzielnia will diese Wege beschreiben, solange die nächste Generation in der Stadt ist.

Quellen

Foto: wkf.net

Ad